Freitag, 30. August 2019

"Homo homini lupus"


Wer will, dass die Welt bleibt
wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.

(Erich Fried)

Glauben wir wirklich, dass wir es noch abwenden können? Der gegenwärtige Entwicklungsstatus steht am Ende eines Prozesses, der schon vor sehr langer Zeit begann. Schon mit Beginn der industriellen Revolution im frühen 19 Jahrhundert gab es Wissenschaftler, die vor maßgeblicher Umweltschädigung warnten, ja selbst im frühgeschichtlichen Zeitalter trieb man Raubbau mit der Natur, ließ ausgeweidetes Land, das keinen Ertrag mehr brachte, liegen, zog weiter, ließ sich anderenorts nieder und das Spiel begann aufs Neue.
Die Menschheit, nach Jahrtausenden des Nomadentums, wurde sesshaft, Siedlungen, Städte bildeten sich, Handwerk und Handel. Zunächst in kleinen Betrieben, die den Bedürfnissen der jeweiligen Kommunen gerecht wurden, später kam überregionaler, grenzüberschreitender Handel hinzu, der Kapitalmehrung und Wohlstand versprach. Nachhaltigkeit bei der Förderung, dem Abbau der Ressourcen, die man benötigte, spielte kaum eine Rolle. Böden wurden vergiftet, Flüsse und Gewässer kippten um, der Mensch begann, sich selbst seine Lebensgrundlage zu entziehen. Krankheiten entwickelten sich, dezimierten die Bevölkerung in zum Teil erheblichen Maß, aber gelernt hat niemand daraus. Vereinzelt mag es Menschen gegeben haben, die Abläufe und Prozesse, berechnet an den Daten der Vergangenheit, in die Zukunft weitergeführt und so Prognosen aufgestellt haben. Die zum achtsamen Umgang mit den Werten gemahnten, die den Fortbestand des Lebensstandards auch für kommende Generationen erhalten Hat man ihnen zur früheren Zeiten genauso wenig Aufmerksamkeit geschenkt, wie wir es heute tun? Hat man ihre Visionen und Berechnungen ebenso wie heute für Scharlatanerie gehalten? Sie der Lächerlichkeit ausgesetzt? Sie mit Spott und Verunglimpfung belegt?
Schon unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit verursachten durch maßgebliche Eingriffe in das hochsensible Ökosystem der Natur folgenreiche Veränderungen ihrer Lebensräume.
Laut einer Studie des Max Planck Instituts für Menschheitsgeschichte begann diese Entwicklung bereits 50.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung.
Dieser Studie zufolge ist mit den zum Teil drastischen Eingriffen des Menschen im Zeitraum zwischen 50.000 und 12.000 Jahren die Ausrottung von 2/3 aller Pflanzen- und Tierarten auf der Welt verbunden. Hiermit einhergehend auch die veränderten landschaftlichen Strukturen und schließlich regionale klimatische Einflüsse.
All diese Ergebnisse und Erkenntnisse sind 1:1 auf die Gegenwart anwendbar. Wir leben in einem unvorstellbaren Maß an Wohlstand, bemessen an dem, was wie haben, wenn wir buchstäblich nichts mehr haben. Der frühere Außenminister Guido Westerwelle hat es einmal mit dem Begriff spätrömische Dekadenz beschrieben, den er als Grund für den Untergang zivilisatorischer Verhältnisse, in denen wir heute leben, anführte. Die Mehrung von Besitz im Sinne des Erlangens von Sicherheit sowie der Erhalt eines gewisses sozialen Status mag noch angemessen erscheinen. Wenn dies aber umschlägt in Habgier um jeden Preis, umschlägt in die Unfähigkeit des Verzichts oder des Maßhaltens, haben wie diese von Westerwelle benannten Verhältnisse und schlussendlich die Folgen daraus.

Misswirtschaft, sowohl in ökologischer wie auch ökonomischer Hinsicht haben diese Situation, der wir uns heute in weiten Teilen der Welt ausgesetzt sehen, und deren weitere Entwicklung nach einer Globalisierung der Märkte in eine globale Katastrophe münden wird, geführt. Mir fehlen die wissenschaftlichen Kenntnisse, ob ein konsequentes und radikales Umdenken im Konsumverhalten der Menschheit noch eine Umkehr der Verhältnisse und somit eine Abkehr apokalyptisch ökologischer Veränderungen bewirken kann, die den Fortbestand der menschlichen Population in dieser Weise unmöglich macht. Was jedoch gegenwärtig an Maßnahmen, ob nun kurz oder langfristig, in Planung ist, wird nicht ausreichen.
Vertreter von Politik und Wirtschaft sprechen von Maßnahmen, die „wirtschaftlich abgefedert werden müssen. Potential an Arbeitskräften, an Wohlstand und Lebensstandard können wir auf keinen Fall preisgeben.“

Doch, können wir. Denn wenn wir es nicht tun, werden wir nicht nur den Lebensstandard sondern das Leben selbst verlieren. Ich glaube, die Erde, die Natur ist nicht in Gefahr. Ich vergleiche es immer gern mit einem Vulkanausbruch, der das Land mit Feuer und glühender Asche überzieht, die jedes Leben unter sich begräbt und eine Regeneration vegetativer Organismen unmöglich erscheinen lässt. Schon am Tage der Abkühlung der Asche treten winzigste Pflanzen hervor. Es heißt: „Auf ihrer elementarsten Stufe entscheidet sich die Natur immer für das Schöne.“ Aber den Menschen wird sie vielleicht nicht mehr zulassen.