Sonntag, 5. Januar 2020

Apropos "Neujahr"


Meinen Vorsatz fürs neue, nun ja bereits begonnene Jahr werde ich nun wirklich mit aller Konsequenz umsetzen.  Er lautet: 'Ich mache mir keine neuen Vorsätze fürs Jahr mehr.“  Schon klar, wir brauchen dieses Symbolik eines Neuanfangs. Einer Zäsur, von der ab nun endlich alles besser wird. Der eine wird sich das Rauchen abgewöhnen. Der nächste will mehr Sport treiben. Wieder andere nehmen sich vor, liebevoller mit den Menschen ihrer Umgebung umzugehen. Sich gesünder zu ernähren...  Jeder weiß es selbst. Die Liste ist bis ins Unendliche fortzusetzen. Jeder weiß aber ebenso gut:  Die Wirkung dieser Jahres-Vorsätze ist meist nach wenigen Tage oder Wochen dahin. Man verfällt in seinen alten Trott. Es ist doch alles zu verführend und das wiederum neue Jahr, das diesem unweigerlich folgt,  rückt ja auch mit jedem Tag des Scheiterns näher. Setzen wir uns also zum Ziel, mit diesem Datum erneut zu beginnen mit den gute Vorsätzen.  
Nein, ich mache da nicht mehr mit. Ich verweigere mich dieser sicher gut gemeinten aber doch völlig sinnlosen Tradition. Ich mache es in Zukunft so, dass ich mir jeden Tag beim Aufstehen vornehme: Heute wird ein guter Tag.  Heute werde ich den Menschen, egal ob bekannt oder unbekannt, mit einem Lächeln begegnen. Heute werde ich weniger freundlich gesonnene Menschen mit ein wenig mehr Gelassenheit entgegentreten. Heute werde ich mir etwas Gesundes kochen,  einmal mehr die Treppe statt den Aufzug in den 4. Stock, in dem sich meine Wohnung befindet, nutzen,  Glaubt mir, das funktioniert. Und am Ende ergibt sich dann aus der Summe der Tage doch ein ganzes Jahr. Ein ganzes Leben..

Sonntag, 29. Dezember 2019

Aber schön war es doch...

Es ist fast geschafft. In den Konsumtempeln und Shoppingmalls beginnt sich die Kauflust auf ein Normalmaß zu reduzieren. Umtauschgeschäft und das Einlösen von Gutscheinen bestimmen das Treiben. Dem einen oder anderen wird der gut gemeinte Gedanke, der dem Kauf manch vermeidlicher Geschmacklosigkeit zugrunde lag, doch nicht recht behagt haben. Wiederum andere, mit eben einem Warengutschein bedacht, weil man sich die alljährlich wiederkehrende Frage, was schenken wir jemanden, der alles hat mit so einem Verlegenheitsgeschenk beantwortet, erfüllen sich nachweihnachtlich ihre Wünsche selbst.

Normalität: der Handel zieht Bilanz. Die Weihnachtsmärkte sind abgebaut. Die Werbebeilagen der Tagespresse, die mit sich näherndem Fest versandhauskatalogähnlichen Umfang annahmen, sind - vorübergehend freilich - völlig verschwunden. Lücken in den Wohnzimmerneinrichtungen, die durch stadtweite Sperrmüllräumung noch zwei Tage vor dem Fest entstanden, sind mit neuem Fast-Food-Design gefüllt. Altpapiercontainer durch Sonderschichten der ständischen Müllabfuhr geleert. Die Weihnachtsgans ist verdaut. Tantchen beklagt sich über angefressene Pfunde, besorgt an sich herabblickend angesicht des nahenden Silvesterballs und des Abendkleids, dessen Nähte sich beängstigend den Grenzen ihrer Belastbarkeit nähern. 

Es hat etwas Befreiendes, an all dem nur als Beobachter des Treibens teilzunehmen. Aus der zweiten Reihe gewissermaßen. Weihnachten, natürlich, ist Konsum. Ist das festliche Schmücken der Wohnung. Die Vorbereitung des Festessens. Die Zusammenkunft mehr oder weniger liebsamer Familienmitglieder, vielleicht auch Freunden. Weihnachten, dass sind Geschenke. Das ist Kinderlachen. Das ist der amüsiert enttäuschte Blick derer, die zum dritten mal in Folge mit dem gleichen Geschenk bedacht wurden. 

Ich werde schon seit Jahren nicht mehr eingeladen zu derartigen Zusammenkünften anlässlich des zweithöchsten christlichen Feiertags.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit, die mich beeindruckt, ja, tief bewegt hat. Es war das Weihnachtsfest einer befreundeten Familie. Auch hier gab es Geschenke. Gutes Essen. Gelebten Wohlstand. Ich weiß nicht mehr, wie viele Menschen am heiligen Abend um die festlich gedeckte Tafel saßen. Was sich mir jedoch einprägte, dass ein Gedeck mehr als Personen am Tisch saßen aufgetan war. Es galt einem Gast, der möglicherweise überraschend vor der Tür stünde. Einem Bedürftigen oder Einsamen, der nicht wusste, wohin an diesem Abend. Oder vielleicht Ihm...? Mein Blick ging immer wieder zu diesem Teller, dem Glas, dem Besteck, das unberührt blieb, das aber Symbol stand für Demut, Dankbarkeit und Nächstenliebe. Symbol für den Geist, der nicht nur zu Weihachten unser Sein bestimmen sollte. 

Wenn ich am Tisch derer, die mir am nächsten waren, saß, fehlte mir dies. Dann fehlte mir eine Spur des Bewusstseins, dass alles, was das Hier und Jetzt ausmacht, keinesfalls selbstverständlich sei, wenn in den zufriedenen Blicken der Konsumierenden auch zu lesen war, wie haben es uns schließlich verdient. Weihachten war für mich immer auch ein Gedanke an die, denen all dies nicht zuteil ist. Denen, die bitterste Not leiden. Die buchstäblich nichts mehr haben, wobei ich nicht unterscheide zwischen Armut vor der eigenen Tür oder Armut, die uns bestenfalls aus TV-Formaten und Berichterstattung ferner Länder ins Bewusstsein dringt. 

Ich wollte niemandem den Genuss, niemandem die Freude am Weihnachtsfest verderben, wenn ich bei dieser Gelegenheit hieran erinnerte.

Eingeladen wurde ich fortan nicht mehr.Seither ist Weihnachten Weihnachten für mich. 

Sonntag, 15. Dezember 2019

Kinder an die Macht...


Der Literaturkritiker Denis Scheck hat sich vor einigen Wochen zur Klimaschutzdebatte geäußert. 

Er sagte, dass für ihn der nachhaltigste Beitrag zur Erreichung der Klimaziele sei, keine Kinder mehr in die Welt zu setzen. 

Wenn ich sehe, wie die heranwachsende Generation mit dem Finger auf uns, die Generation 50+ zeigt, sehe, wie sie sich unermüdlich engagieren für Umweltschutz, für eine liberale Gesellschaftsordnung nach christlich-sozialen Wertmaßstäben. Wenn ich sehe, wie ein 16-jähriges Mädchen, das sich von einem Jahr mit einem Pappschild vor das schwedische Parlament setzte, heute ein leuchtendes Vorbild für Millionen und Abermillionen junger Menschen geworden ist, die allwöchentlich friedlich gegen staatliche Willkür, Bevormundung und mangelndes Verantwortungsbewusstsein in Politik und Bevölkerung auf die Straße gehen, dann möchte ich Herrn Scheck sagen, dass seine Sichtweise die falsche ist! 

Auf den Schultern der Jugend, den Schultern nachrückender und heranwachsender Generationen liegt die Hoffnung, dass sie handeln werden, wie wir es in Jahrzehnten versäumt haben. Aufzubegehren nämlich gegen Lügen und Halbwahrheiten. Gegen Manipulation durch bewusst gesäte Angst und Zwietracht, die, lt. dem Zitat eines Mannes, der wusste wovon er sprach, wenn er sagte: „Angst ist die wirksamste Triebfeder für menschliches Handeln“ (Erich Mielke)  offenbar immer noch ein probates Mittel ist, dass Volk, den Souverän, wie ein willfähriges  Hündchen an der Leine zu führen.

Es bedarf einer neuen, friedlichen Revolution, die uns am Beispiel dessen, was vor 30 Jahren geschah, gezeigt hat, was möglich ist. Eine Revolution des Verstandes und der Vernunft. Eine Revolution gegen die Dummheit, die Einfältigkeit und ihre Stimmen.