Sonntag, 15. Dezember 2019

Kinder an die Macht...


Der Literaturkritiker Denis Scheck hat sich vor einigen Wochen zur Klimaschutzdebatte geäußert. 

Er sagte, dass für ihn der nachhaltigste Beitrag zur Erreichung der Klimaziele sei, keine Kinder mehr in die Welt zu setzen. 

Wenn ich sehe, wie die heranwachsende Generation mit dem Finger auf uns, die Generation 50+ zeigt, sehe, wie sie sich unermüdlich engagieren für Umweltschutz, für eine liberale Gesellschaftsordnung nach christlich-sozialen Wertmaßstäben. Wenn ich sehe, wie ein 16-jähriges Mädchen, das sich von einem Jahr mit einem Pappschild vor das schwedische Parlament setzte, heute ein leuchtendes Vorbild für Millionen und Abermillionen junger Menschen geworden ist, die allwöchentlich friedlich gegen staatliche Willkür, Bevormundung und mangelndes Verantwortungsbewusstsein in Politik und Bevölkerung auf die Straße gehen, dann möchte ich Herrn Scheck sagen, dass seine Sichtweise die falsche ist! 

Auf den Schultern der Jugend, den Schultern nachrückender und heranwachsender Generationen liegt die Hoffnung, dass sie handeln werden, wie wir es in Jahrzehnten versäumt haben. Aufzubegehren nämlich gegen Lügen und Halbwahrheiten. Gegen Manipulation durch bewusst gesäte Angst und Zwietracht, die, lt. dem Zitat eines Mannes, der wusste wovon er sprach, wenn er sagte: „Angst ist die wirksamste Triebfeder für menschliches Handeln“ (Erich Mielke)  offenbar immer noch ein probates Mittel ist, dass Volk, den Souverän, wie ein willfähriges  Hündchen an der Leine zu führen.

Es bedarf einer neuen, friedlichen Revolution, die uns am Beispiel dessen, was vor 30 Jahren geschah, gezeigt hat, was möglich ist. Eine Revolution des Verstandes und der Vernunft. Eine Revolution gegen die Dummheit, die Einfältigkeit und ihre Stimmen.

Samstag, 14. Dezember 2019

Nicht nur zur Weihnachtszeit

Ich habe mich schon immer an ihnen erfreut. An den Straßenmusikern auf öffentlichen Plätzen und Fußgängerzonen. Im rastlosen Getriebensein, überladener, mit Einkaufstüten und Dingen, die der Mensch nicht braucht, bepackter, vorüberhetzender Konsumenten stellen sie für mich eine Besonderheit dar. Ein bisschen Entspannung. Eine Einladung, stehen zu bleiben. Zuzuhören. Pause zu machen. Meist finden sie kaum Beachtung. Vorbeieilende werfen unachtsam ein paar Münzen in das hierfür bereitgestellte Gefäß, wodurch das ganze einen Bettel-Charakter erhält. Stehen bleibt kaum jemand.  Umso aufmerksamer dagegen zwei uniformierten Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die, ungeachtet dessen, dass die Musiker ihr Stück unterbrechen müssen, nach deren Legitimation fragen.  Ich erfahre, dass  man sich jeweils am Morgen des betreffenden Tages eine Genehmigung erteilen lassen muss, die dann zum Spielen berechtigt. Dies aber unter der Vorgabe, einmal pro Stunde seinen Standort zu wechseln. Kein Beamter lässt sich gern nach dem „Warum“ fragen. Ich erlaube es mir dennoch, was mir mit einen missmutigen „Wenn so was jeder machen würde“ beantwortet wird.  Im Fortsetzen meines Weges, versuche ich mir dieses Bild vor Augen zu führen: Eine Fußgängerzone, voll von musizierenden, lachenden, tanzenden, das Leben feiernden Menschen. Und das ganze ohne behördliche Genehmigung.  Was für eine grauenhafte Vorstellung!

Dienstag, 10. Dezember 2019

Gedanken über die Verhältnismäßigkeit der Mittel:


Maschinenpistolen auf festungsartig verbarrikadierten Weihnachtsmärkten, zum Schutz vor... Ja, wovor eigentlich?

Wer garantiert mir, dass nicht gerade dieser bis an die Zähne bewaffnete Beamte in martialisch-kriegerischer Pose kein psychisch labiler Charakter ist, der, angesichts des Umstandes, dass er gerade von seiner Frau verlassen wurde, den Kopf verliert? Wer garantiert mir, dass er nicht von irgendeinem amoklaufenden Psychopathen überwältigt wird und gerade somit, also durch die Gefahr der durch ihn in der Öffentlichkeit getragen Waffe, einer Waffe, die innerhalb weniger Sekunden eine Vielzahl von Passanten töten könnte, ein Massaker verursacht?

Und selbst im Falle einer akkuten Gefahr. Was würde geschehen, wenn diese Waffe zum Einsatz käme? Menschenmassen drängen sich durch die Gänge, vor den Buden und Fahrgeschäften. Mit so einem Waffe ist es kaum möglich, einen gezielten Schuss in Richtung eines etwaigen Aggressors abzugeben.

Mit Verhältnismäßigkeit der Mittel meine ich folgendes Rechenexempel: es gibt ca. 3000 Weihnachtsmärkte in Deutschland, die, lt. einer im Kölner Stadtanzeiger veröffentlichtenen Statistik aus 2018, von rund 270 Millionen Menschen jährlich besucht werden. 2016 ereignete sich das tragische Unglück am Breitscheitplatz in Berlin, bei dem 12 Menschen ums Leben kamen. Drei Jahre sind seither vergangen. Wir sprechen also von einer Zahl von rund 800 Millionen Besucher, also 10% der Weltbevölkerung, gegen 12 beklagenswerte Opfer, die noch am Leben wären, hätte man...
Nein, man hätte es nicht verhindern können. Nicht zum Zeitpunkt der Tat: nicht unmittelbar vor diesem furchtbaren Ereignis.
Aus diesem Verhältnis wird eine Bedrohungslage durch eine angeblich immerwährende, unkalkulierbare Gefahr von Seiten fremder Religionen oder ethnischer Minderheiten, konstruiert, die dem friedlichen Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Herkunft alles andere als förderlich ist. Eine konstruierte Bedrohungslage, die fruchtbaren Boden bietet, auf dem vor allem die Dummheit gedeiht. Die Dummheit in Form von Hetzpropaganda geistiger unterprivilegiert Ideologen und ihrer Entourage, die unverhohlen und hemmungslos völkisch nationalen Ungeist beschwören.

Die Gefahr jedoch, durch die ein friedliches Zusammenleben bedroht ist, besteht nicht in Zuwanderung von Menschen fremder Nationen und Kulturen. Sie besteht vordergründig im geistigen Unvermögen, ob nun in Form religiös-fundamentalistischer Verblendung, in Form willfährigen Gehorsams angesichts
gezielt eingesetzter Manipulation durch politische und wirtschaftliche Kräfte. Sie besteht in Maßlosigkeit und Gier. Besteht im Drang nach Befriedigung niederer Bedürfnisse, des um jeden Preis haben Wollens, und der Verleugnung jeden Maßes an Menschlichkeit jenseits des eigenen beschränkten Horizonts.

Vor diesen Gefahren schützen keine noch so hochgerüstete Einsatzkräfte. Vor diesen Gefahren können nur wir selbst, als angeblich vernunftbegabte Gattung, uns schützen, indem wir selber Denken, statt denken zu lassen.