Montag, 30. März 2020

Gedanken zur Corona-Krise

Kannst du dir eine Welt ohne Menschen vorstellen? 
Schwer,
denn auch dich würde es nicht geben,
der dies beobachtet. 
Es bedarf so wenig, 

etwas vom Ursprung der Dinge zurück zu bekommen. 

Es besteht Ausgangsbeschränkung
wegen eines Virus,
das die Menschheit bedroht. 


Weniger Menschen in den Straßen,
weniger Autos,
Flugzeuge.
Weniger Lärm, Hektik, Getriebe...


Aber soviel mehr an Reichtum dessen, 
was wir längst nicht mehr sehen. 
Bienen, Vögel und anderes Getier. 
Die Natur beginnt spontan, 
sich zu erholen. 

Von uns! 

Nach nur wenigen Wochen spürtest du es, 
wärst du noch da. 
Nach nur wenigen Wochen spürtest du, 
dass du überflüssig warst in der Welt, 
die du dir untertan gemacht hast.

Wenn alles vorüber ist. 
Wenn du zurückkehrst aus deiner Schutzzone, 
in die du dich verkrochen hast, 
denke daran: 

Du bist Teil dessen.  
Nicht Herr dessen.

Sonntag, 22. März 2020

„Die Botschaft höre ich wohl. Allein, mir fehlt der Glaube...“

Auf alle Fragen, auf die das Leben zu oft nur keine Antworten parat hält, ist die, wie man mit der Bedrohung durch „Corvide 19“ umgehen soll, gegenwärtig sicher die brennendste. Wie schützt man sich, wie seine Nächsten? Die Medien, deren Meldungen sich mittlerweile im Stundentakt aktualisieren, und denen man sich kaum entziehen kann, haben keine Antworten, die dem Sicherheitsbedürfnis der Menschheit gerecht werden. Im Gegenteil, will man meinen. Die Gefahr scheint allgegenwärtig. Scheint uns in jedem Passanten präsent, dem wir auf der Straße begegnen, scheint uns aus dem Hinterhalt aufzulauern, anzuspringen.
Durchgreifende Maßnahmen, die der nachhaltigen Eindämmung der Ausbreitung dienen sollen, werden erlassen. Werden mit aller Konsequenz, z.T. durch Anwendung staatlicher Gewalt, durchgesetzt. Wir müssen daran glauben, dass es Wirkung zeigt, wenn auch Zweifel bestehen, schaut man in die Nachbarländer, allen voran Italien, in denen sich die Krankheit nahezu ungehindert ausbreitet und das trotz verhängter Ausgangssperren und immer währender Warnaufrufe durch sämtliche Medien.
Eine Gesellschaft, eine Infrastruktur, ein Konsumapparat bricht zusammen. Nicht schleichend. Nein, von einem auf den anderen Moment. Die Folgen, zum jetzigen Zeitpunkt, da der Gipfel der Entwicklung noch nicht einmal erreicht ist, sind unabsehbar.
Musste es so kommen? Ich bin kein besonders religiöser Mensch, doch denke ich oft an die in der Bibel beschriebenen apokalyptischen Ereignisse, wie dem Untergang der Städte „Sodom und Gomorrha,“ oder auch an literarische Motive, deren Autoren in visionärer Weise einen Werdegang vom „ist-Zustand“ weiter berechnet und Dystopien unbeschreiblichen Ausmaßes beschrieben haben. Natürlich gab es immer vergleichbare Ereignisse in der jüngeren und weiteren Geschichte gesellschaftlicher Entwicklungen. Denken wir an die alljährlichen Grippe-Epidemien oder denken wir 100 Jahre zurück, als sich die Weltbevölkerung um 50 Millionen Menschen dezimierte, die binnen eines Jahres an der spanischen Grippe starben. Wurde es je als Warnung verstanden? Als Antwort der Natur auf die Wunden, die wir, die menschliche Rasse, dieser unablässig zufügen in unserem nie zu befriedigenden Anspruch nach mehr, nach uneingeschränktem Konsum, weit... sehr weit über den eigentlichen Bedarf hinaus?
Läden haben geschlossen. Cafés, Restaurants und andere Freizeiteinrichtungen jeglicher Art mussten ihren Betrieb auf unabsehbare Zeit einstellen. Wir, die wir gehalten sind, das Haus, die Wohnung tunlichst nicht mehr zu verlassen, sind plötzlich auf uns selbst zurückgeworfen. Und doch schöpfen wir immer noch aus dem Vollen. Die Versorgung durch Lebensmittel ist weiterhin gewährleistet. Wir bedienen uns aus überfüllten Regalen der Supermärkte. Und doch fühlen wir uns beschnitten in unserem Drang, tun und lassen zu können, was wir wollen, ungeachtet der Folgen, die unser Handeln lang- oder mittelfristig haben kann. 
Ich habe Angst, ja! Angst, dass die medizinische Versorgung zusammenbricht, wie wir es in Italien erleben. Angst, dass die Dauer der Epidemie sich derart hinstreckt, dass noch ganz andere Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Bevölkerung mit dem Nötigsten zu versorgen. Angst aber auch davor, dass wir, die Gesellschaft, vergisst, wenn alles vorüber ist. Vergisst wie es aussieht, wenn man sich eine Weile massiv einschränken muss. Wenn das 
Selbstverständliche plötzlich nicht mehr in uneingeschränkter Weise zur Verfügung steht. Wenn wir wieder der Unbescheidenheit, der Maßlosigkeit, der Befriedigung der Gier anheimfallen, bis zum nächsten Zusammenbruch, der vielleicht irgendwann einmal der letzte für die zivilisierte Welt, so wie wir sie kennen, sein wird.

Ein Künstler, der kürzlich in einem Interview im Deutschlandfunk zu seiner persönlichen Situation Stellung nahm, äußerte sich dahingehend, dass in jeder Krise auch eine Chance steckt. Nur müssen wir sie erkennen. Lehren aus ihr ziehen, damit es weiter geht... 

Dienstag, 25. Februar 2020

„Der Worte sind genug gewechselt...“


Eine Stadt, ein Land im Ausnahmezustand. Am 2. Juni 2019 wurde Walter Lübcke Opfer eines politische motivierten Mordanschlags.  Am 9. Oktober 2019  waren es zwei Menschen, die beim Überfall auf die Synagoge von Halle starben.  Heute sind es zehn Tote, die wir im stillen  Entsetzen betrauern. Fremde Menschen fallen sich weinend in die Arme. Polizisten, Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten steht das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Journalisten, die vom Ort des Grauens berichten, ringen um Worte, kämpfen gegen die Tränen. Schockstarre und wieder die Frage: Warum? Sprachlosigkeit, Angst und Wut machen sich breit. 

Ich denke, es ist nicht die Zeit, Hass mit Hass zu vergelten. Nicht die Zeit, die Faust in der Tasche zu ballen. Das Resultat wäre furchtbar. Das Resultat wären bürgerkriegsähnliche Zustände, die am Ende sicher nicht zu einem positiven Ziel führen. Wie aber sich zu Wehr setzen gegen die Täter? Gegen den Ungeist, der die Täter motiviert.  Gegen die Kräfte, die gewollt und gezielt provozieren, wenn  sie die Gesellschaft zersetzen und spalten, indem ihnen kein noch so primitives und perfides Mittel zu schäbig ist, mittels ihrer geistzerfressenden  Ideologie die Stimmung im Land zu vergiften.  

Alexander Gauland äußerte sich empört darüber, dass man dieses Verbrechen gegen den politischen Gegner instrumentalisiere. Er verharmloste es, in dem er sagte, es sei die Tat eines „irren, exzentrischen Einzeltäters, der nachweislich nicht aus politischen Motiven gehandelt hätte“. In Fall des Attentats, das sich vor 3 Jahren auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ereignete,  im Fall des  Unglücks, das ein Zuwanderer im vergangenen Jahr auf dem Frankfurter Hauptbahnhof  verursachte, scheute man sich wenig, diese Taten im Sinne der Hetzpropaganda  von Rechts für sich zu instrumentalisieren. 

Wir haben es mit einer Partei zu tun, die längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Mit rhetorischer Raffinesse und subtilen  Mitteln unterminieren sie alle Bereiche der Gesellschaft. Hinterlassen ihre Duftmarken in sozialen Einrichtungen, Vereinen, Verbänden, Bildungseinrichtungen etc. 

Freilich ruft diese Partei und ihre Vertreter nicht in direkter Form zu Ausschreitungen und Gewalt auf. Aber sie provozieren, sie dulden sie. Die sozialen Netzwerke bieten hierfür ein willkommenes Medium. Hasskommentare ihrer Entourage in Form unverhohlener Aufrufe zu  Straftaten.  Schreie nach Lynchjustiz, Forderungen nach bewaffneter Bürgerwehr und Schlimmeres sind zu lesen unter den Beiträgen eines Höckes, eines Meuthens, einer Weidel, einer Storch...
Und es wurde zugelassen. Man verschloss die Augen vor dieser schwelenden Gefahr. Mehrere Verbotsverfahren gegen die NPD scheiterten. Am Ende hieß es, dass keine nennenswerte Gefahr von dieser stark geschwächten Partei mehr ausgehe, ein Verbot also unnötig sei. In ähnlich gelähmter Weise verfährt man mit der AFD, die, laut Urteil des Landgerichts Gießen aus 2018 als rechtsradikal bezeichnet werden darf,  also deutlich gegen die Verfassung verstößt. Einzig die Überwachung durch den Verfassungsschutz konnte man durchsetzen. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme jedoch scheint mir mehr als zweifelhaft, denke man nur an das "NSU-Trio", das seine Verbrechen ungehindert fortsetzen konnten, obwohl es der genannten Institution bekannt waren.

Wir müssen uns fragen, ob die rechtsstaatlichen Mittel ausreichen, gegen diese Kräfte vorzugehen, ihnen Einhalt zu gebieten, ihnen das Wort zu entziehen und sie in ihre Schranken zu verweisen. Am 17. August 1956 wurde das 2. Verbotsverfahren gegen eine Partei, die KPD,  in Deutschland durchgesetzt. Wenn man sich die Zusammenfassung der Urteilsbegrünung vornimmt, stellt sich die Frage, was hiervon nicht ebenfalls anzuwenden ist gegen rechte und rechtsnationalistische  Parteien und Gruppierungen heute, die, und davon bin ich überzeugt, sich hinter verschlossenen Türen die Hände reiben, angesichts dessen, was wir in diesen Tagen in Hanau erleben mussten.