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Mittwoch, 10. Juni 2026

Menschen 61

Er betrat den Laden, wenige Minuten vor Geschäftsschluss. Ein Mann mittleren Alters. Einfach gekleidet. Herkunft, unbekannt. Ein Zuwanderer, wie es die mildeste Variante möglicher Formulierung besagt.  Ein Flüchtling, sonst woher. Einer, der alles bekommt, ohne etwas dafür tun zu müssen, in den Blicken der übrigen, noch im Laden befindlichen Kunden, zu lesen.  Was er im Schilde führte, war so offensichtlich wie aussichtslos. Den Brotautomaten im Blick, in der Tasche seiner verschlissenen Jacke schon deponiert, ein wenig Wurst und Käse. Das Brot verschwand im Futter seiner Jacke.   Ist ein Dieb, der stiehlt um seinen Hunger zu stillen?  Der stiehlt, was Minuten nach Ladenschluss im Container, im Hof des Ladens, verschwindet um entsorgt zu werden?  Es bedarf nicht viel Vorstellungskraft vorherzusehen, was ihn an der Kasse, was ihn auf dem unendlich scheinenden Weg aus dem Laden, erwartete.  Sich an den letzten Kunden vorbeidrängend, die Ausgangstür im Blick, begann die Tragödie. Die hysterisch, kreischende  Stimme der  Kassiererin. Empörte Rufe der  übrigen Kunden. Ein Held, der sich ihm mit Drohgebärden, siegesgewiss in den Weg stellte. Einer schließlich,  der ihm die Tür aufhielt. Nach dem er sich, für den Bruchteil einer Sekunde, umschaute. Angst in den Augen vor dem wütenden Mob...