Mittwoch, 12. Januar 2022

Offener Brief an den Musiker und Musik-Produzenten: Xavier Naidoo

Anlässlich des 77. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau sowie des Umstandes, dass Revisionisten und Leugner der in den Lagern verübten Verbrechen, die zu den abscheulichsten der Menschheitsgeschichte zählen, keine bzw. kaum rechtsstaatliche Verfolgung erfahren, obschon diese lt. Paragraph 130 StGB einen Straftatbestand darstellen, ergeht durch diesen Beitrag die Publikation eines offenen Briefes an den Musiker Xavier Naidoo, der sich durch antisemitische Äußerungen, Leugnung des Holocausts, der Verunglimpfung von Opfern wie der Hetze gegen ethnische Minderheiten hervorgetan hat.

Hanau, den 12.01.2022

Sehr geehrter Herr Naidoo,


unablässig appellieren Sie an einen gesunden Menschenverstand. Unablässig an kritisches, differenziertes Denken hinsichtlich politischer und gesellschaftlicher Haltungen und Ausrichtungen.

Seit geraumer Zeit verfolge ich nun Ihr Handeln. Ihre Art, Menschen zu manipulieren. Zu indoktrinieren für die Auswüchse eines offensichtlich sehr begrenzten Verstandes. Des Verstandes eines einst respektablen und ehrbaren Künstlers, dessen vordergründiges Motiv heute, so scheint es, dass Streben nach medialer Aufmerksamkeit und Popularität um jeden Preis ist. Aufmerksamkeit, die er offenbar nur noch dadurch erreicht, die Mechanismen eines demokratischen Rechtsstaates für eben diese Zwecke und auf perfideste Weise zu instrumentalisieren.

Es liegt mir fern, Sie persönlich anzugreifen. Ihre Musik, die Sprache Ihrer Texte vermittelt etwas anderes als das, wofür sie als Person heute zu stehen scheinen. Sie vermittelt Verständnis, Nachsicht, Toleranz und Liebe. Nicht Hass und Ausgrenzung. Nicht Argwohn noch Niedertracht. (Un)Werte, die sie heute durch Ihre Haltung provozieren. Werteverfall, den ich bedaure. Für den ich Sie bedaure.

Sie erheben das Wort, in dem Sie sich auf das verbriefte Grundrecht der freien Meinungsäußerung berufen, festgelegt in der Verfassung dieses Landes, die, Ihrer Aussage nach, nicht das Papier Wert sei, auf dem sie geschrieben steht. Sie hetzen gegen die Presse- und Meinungsfreiheit, die offensichtlich nur solange Bedeutung hat, solange Sie Ihnen bei der Verbreitung Ihrer Theorien und Thesen dienlich scheint. Antithesen, Gegenstimmen, wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse werden unter allen gebotenen wie unbotmäßigen Mitteln niedergeschrien.

Herr Naidoo, es besteht ein wesentlicher Makel am demokratischen Rechtssystem. Dem nämlich, dass er auch der Dummheit eine Bühne bieten muss, was vordergründig nur der Dummheit Früchte trägt. Der Dummheit derer, als deren Sprachrohr, als deren Medium Sie sich offenbar verstehen. Derer, die ihren Unverstand an Demagogen und Aufrührern nähren. Derer, die diesen willenlos und willfährig den Weg bereiten in dem sie als ergebenen Paladine und Vasallen mit gesenktem Haupte in vorauseilendem Kadavergehorsam denen folgen, denen es um nichts anderes als um die primitivste Art der Selbstinszenierung geht, wie es hier der Fall scheint.

Ich verbinde mit meinem Schreiben nicht die Hoffnung, dass es Sie in irgendeiner Form beeindruckt. Zu verhärtet scheinen Sie in ihren Ansichten. Zu verbrämt durch Ungeist und Unbildung. Durch Hass und dem, was aus diesem ergeht. Und doch bleibt die Hoffnung, dass wir eines Tages zu einer befriedeten Gesellschaft gelangen, die sich des Status´ eines vernunftbegabten, sozialen Wesens, wie es in der philosophischen Anthropologie heißt, für würdig erweist.

Von Menschen allerdings, die eines der abscheulichsten Verbrechen, derer sich die Menschheit schuldig machte, leugnen, Opfer verunglimpfen, der Lüge bezichtigen, Hetze gegen ethnische Minderheiten betreiben und über all dies sich selbst als Opfer von Hetzkampagnen und Falschmeldungen der sogenannten gleichgeschalteter Presse stilisieren, ist dies kaum zu erwarten. Sie tun dies in unverhohlener Weise, was gem. Paragraph 130 StGB eine in jedem Fall zu ahnende Straftat, vor humanistischen Werten wie einer christlich-sozialen Gesellschaftsordnung jedoch ein Abscheulichkeit darstellt, die den von Ihnen geleugneten Verbrechen in nichts nachsteht. Wo es das vordergründige Ziel sein muss, Menschen einander näher zu bringen, unter differenten Positionen zu vermitteln, betreiben Sie nichts als geistige Brandstiftung und Aufstachlung zur Gewalt.

Doch vielleicht werden auch Sie zu der Erkenntnis gelangen, dass die, die Sie mit Ihrer Botschaft zu erreichen gedenken, Ihnen nicht dauerhaft die Steigbügel halten werden, da deren Meinung käuflich ist und sie früher oder später der nächsten Sau folgen werden, die der kommende selbst ernannte Heilsbringer durchs Dorf treiben wird.

Gehen Sie zurück zu dem wofür der Name Xavier Naidoo bislang stand. Zur Musik, zur Lyrik, zur Poesie und dem Ideal der Menschlichkeit, wie es bislang in Ihren Texten Ausdruck fand. Gewalt hingegen, ob nun in verbaler oder tätiger Form, produziert nichts als gewaltsame Gegenreaktionen.

Sie berufen sich oft auf die Bibel. Auf die Kunde des Mannes, der dem Ungeist und der Dummheit zum Opfer fiel. Dem Ungeist, den Sie durch ihr Handeln heraufbeschwören.


Reiner Hans Bewersdorff




Montag, 3. Januar 2022

Ein Buch, ein Stift, ein Kind und ein Lehrer können die Welt verändern. (Malala Yousafzai)

Für die meisten Menschen ist ein Stift, ein Kugelschreiber, ein Füllfederhalter, eine Schreibmaschine nichts weiter als ein Werkzeug.
Oft achtlos herumliegend. Oft nicht vorhanden, wenn man seiner bedarf.
Gut, nun gibt es Menschen, für die stellt Form, Bauart, ggf. Herkunft beispielsweise  historischer Schreibgeräte, oder auch herkömmliche Kugelschreiber, die aufgrund ihres unterschiedlichen Designs in Farbe oder auch Aufdruck zum begehrten Objekt eines jeweiligen Sammelleidenschaft werden, das Motiv ihrer Passion dar. All das aber macht für mich nicht die Besonderheit dieser Dinge aus.
Die Besonderheit liegt für mich vielmehr im Nutzen. Im Zweck, dem diese Utensilien dienen. Man schreibt mit ihnen. Mit dem Kugelschreiber. Dem Bleistift. Dem  Füllfederhalter, der zweifellos zu den eleganteren Werkzeugen seiner Gattung gehört. Ein von mir selbst übrigens bevorzugtes Gerät, zu dem ich fast ein liebevolles, auf jeden Fall aber sehr achtsames Verhältnis pflege, bevorzuge ich es doch gegenüber dem seelenlose Geklapper einer Computertastatur allein deshalb, weil ich dem kratzenden Geräusch seiner Stahlfeder auf dem Papier, weil ich dem Geruch wie dem nassen Glanz frischer Tinte fast etwas Inspirierendes abgewinne.
Aber über all dies ist es noch etwas anderes, das mich bewegt. Es ist das, was möglich ist unter Anwendung eines Schreibgerätes. Geschriebene Worte, die vielleicht nur eine beiläufige Notiz, einen Einkaufszettel darstellen. Im besonderen Fall aber vielleicht eine Botschaft, einen  Brief, der Bedeutendes beinhaltet. Der etwas zu bewegen oder zum Stillstand zu bringen im Stande ist. Der Emotionen auslöst.  Der aus einer bestimmten Situation heraus entstand oder Situationen hervorbringt, der einen Menschen, der die Menschheit, der die Welt zu verändern im Stande ist.
Ein Stift. Ein Bogen Papier. Auch ohne Elektrizität, elektronische Impulse in Form von Einsen und Nullen.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

„...nur die Dummheit pflanzt sich selber fort.“ (Erich Kästner)

Zu Beginn waren es Hypothesen, später gewagte Prognosen, Analysen, Studien. Mittlerweile belastbare Fakten. Vor zwei Jahren begann es. Ich bediene mich bewusst nicht des mittlerweile gebräuchlichsten Begriffs im nationalen wie internationalen Sprachgebrauch. Kein Tag vergeht, ohne das wir ihn nicht hundertfach hören, lesen, sei es in den Medien, sei es im zufällig aufgeschnappten Gesprächsfetzen im Vorübergehen.

Können Sie es noch hören? Ich nicht mehr. Nicht mehr den Begriff selbst. Nicht mehr die Situation im Allgemeinen wie im Speziellen. Nicht mehr die Larmoyanz der unablässig Klagenden. Nicht mehr das, was es verursachte respektive nach sich zog, womit wir beim eigentlichen Thema wären.

Wie hat es die Gesellschaft gespalten? Wie beeinflusst? Wie unser Sozialverhalten nachhaltig verändert? Gehen sie mit offenen Augen durch die Welt. Schauen sie in die Gesichter, soweit möglich. Das, was Sie sehen, wollen Sie nicht sehen.

Die Entfremdung der Gesellschaft. Die zunehmende Anonymisierung und deren sprunghaften Anstieg seit Beginn der Epidemie. Wo man sich früher noch schemenhaft wahrnahm, vom Sehen im eigentlichen Wortsinn ist schon lang nicht mehr die Rede, empfindet man den Nächsten bald als Bedrohung. Man geht sich aus dem Weg. Man wendet das Gesicht ab. Man vermeidet jede Form von Nähe. Reicht nicht mehr die Hand zum Gruße. Die Maske schützt vor Infektion, ggf. vor Erkrankung durch das Virus. Sie schützt zudem vor etwas anderem, das fast unerträglicher scheint. Vor der Verlegenheit, in verhärmte, sorgenerfüllte, desillusionierte Leidensmienen schauen zu müssen, deren Lächeln längst erstarrte. Brecht: „der Lachende, hat die furchtbare Nachricht nur noch nicht erfahren:“ Trifft das zu? Sind wir schon so weit, dass ein Lächeln gleichzusetzen wäre mir Ignoranz und Gleichgültigkeit?

Doch woran verzweifeln Sie? Verzweifeln Sie am Niedergang der Wertmaßstäbe, an denen sich die Zukunft und unsere aller Fortbestand bemisst? Am Versiegen der Hoffnung, dass alles sich doch zum Guten wenden wird? Zum Guten im Sinne des Großen, Ganzen? Oder in Aussicht darauf, dass wir das, was wir unter dem Begriff Normalität lebten, nie mehr auf die althergebrachte Weise erleben werden? Dass die Freiheit der Zukunft nie mehr die der Vergangenheit sein wird? Dass der Ausverkauf des Schlaraffenlands, in dem alles zu jeder Zeit und in uneingeschränktem Maß zur Verfügung stand, längst begonnen hat?

Dass die Zuckergussfassade die Wirklichkeit preisgibt, die uns allabendlich in Form von Nachrichten und Reality-TV-Formaten eine aufgesetzte Betroffenheitsmine entlockt, denn uns betrifft es ja nicht?

All die Maßnahmen zum Schutze der Allgemeinheit wie jedes Einzelnen, halte ich zum gegenwärtigen Stand der Dinge für unverzichtbar. Das Für und Wider dieser Maßnahmen soll demnach nicht der Gegenstand dieses Beitrags sein. Ergänzend zum Schwerpunkt zu Beginn dieses Beitrags jedoch die Frage: Was ist falsch gelaufen? Was haben wir falsch gemacht? Welchen Beitrag haben wir geleistet, dass eine zunächst unterschätze internationale epidemische Situation bald zu einer nahezu unbeherrschbaren globalen Katastrophe ungeahnten Ausmaßes mutierte?

Es ist nicht die erste Pandemie der Menschheitsgeschichte, die weltweite um sich griff. Nicht die mit den höchsten Opferzahlen. Doch ist es die am längsten anhaltende. Wir gehen ins dritte Jahr und ein Ende ist nicht absehbar.

Die Wissenschaft arbeitet weiterhin fieberhaft an Vaxinen die ein Ende der Gefahr bringen sollen. Man erkennt unschwer, dass man auch heute noch keine Antworten parat hat. Dass die Wissenschaft vielleicht an die Grenzen des Machbaren gelangt. Die Wissenschaft der Pharmazie, der Medizin. Vielleicht überdies die Wissenschaft, die menschliches Verhalten erforscht? Auch sie sucht nach Erklärungen für das Unerklärliche. Die Antwort darauf, warum die Vernunft versagt. Warum die Dummheit wie die Unvernunft sich millionenfach multipliziert und für mich die eigentliche Gefahr für den Fortbestand der Menschheit und seines Lebensraumes, nicht nur im Hinblick auf diese oder einer der nächsten Pandemien, beinhaltet.

Gehen wir zurück in der Geschichte. Schauen wir auf den Beginn des 20. Jahrhunderts. Bewerten wir die gegenwärtige Situation anhand der Fakten
der Spanischen Grippe, die weltweit 50 Millionen Todesopfer forderte.

Freilich sind wie weit entfernt von diesen Zahlen, doch den Zeitraum, während der die damalige Pandemie grassierte, haben wir bereits um ein Vielfaches überschritten. Was liegt dem zugrunde? Zum einen sicher die geringere Bevölkerungsdichte, die gerade mal ein Viertel der heutigen Zeit betrug.

Nicht zuletzt aber auch die geringere Vernetztheit der Menschen. Das bei weitem geringer ausgeprägte Konsumverhalten. 2018, das letzte Jahr vor Ausbruch der aktuellen Pandemie, lag die Zahl der jährlichem Touristen Weltweit bei 1,8 Milliarden Menschen, die nicht nur Ihren Wohlstand in die Welt trugen. Man sollte meinen, dass diese Zahl sich in den beiden Folgejahren reduziert hat. Das Gegenteil ist der Fall. Im letzten Jahr stieg die Zahl der Reisenden trotz weltweiter Pandemie und vielfachen Reisebeschränkungen um 3,7 %, Tendenz weiter steigend und dies ist nur ein Beispiel für Maßlosigkeit bzw. die mangelnde Bereitschaft zum Verzicht.

Wir suchen die Schuldigen in der Politik, der Wissenschaft, der Wirtschaft und den Lobbyisten-Verbänden. Wie suchen sie in den Medien, in Kreisen von Verschwörungstheoretikern die schwadronierend ihre Heilsversprechen in Form entgeistigter Theorien, und seien sie noch so absurd, in die Welt tragen.

Diese wiederum werden von Verschwörern der Gegenseite, nicht selten zunächst im Sinne ihrer jeweils eigenen Interessen, falsifizieren. Nur wir selbst sind es nie gewesen. Unser eigenes Verhalten ggf. den sich stetig veränderten Situationen, an deren Veränderungen wir keinen unwesentlichen Anteil haben, anzupassen, ist uns fern jedes Vorstellungsvermögens.

Die Philosophische Anthropologie spricht vom Menschen, als einziges vernunftbegabtes Wesen auf Erden. Im weiteren Text zu dieser These heißt es: Wir sind in der ungefähr zehn-tausendjährigen Geschichte das erste Zeitalter, in dem sich der Mensch völlig und restlos problematisch geworden ist:“ Was für ein Erfolg!

Fazit:

Ich möchte auch keine Maske mehr tragen, weil ich wieder in Gesichter schauen, in Minen lesen möchte. Möchte wieder unbeschwert ins Theater, ins Kino gehen. Möchte die Menschen, die mir nahestehen, umarmen. Ihnen nahe sein. Möchte reisen und die Schönheit der Welt genießen.

Alles aber in einem für den Fortbestand der Schöpfung, auch der Menschheit verträglichen Maß und vielleicht ein bisschen aus der Perspektive, dass nichts von all dem selbstverständlich ist.

Wenn wir hingegen den Blick dafür verlieren. Wenn wir nicht die Rudimente unseres Verstandes bemühen. Wenn wir uns weiterhin der Theorie, dass Lebensqualität vordergründig auf stetem und möglichst unbegrenztem Wachstume basiert, unterwerfen, wenn wir den Verführungen derer weiterhin erliegen, die uns vermitteln, dass die Sinnhaftigkeit unserer Existenz ausschließlich in Kommerz und Konsum besteht...

Ich führe diesen Satz bewusst nicht weiter aus.

Schließen möchte ich mir dem Satz eines Journalisten: „bei allen Krisen, die die Welt erfährt, bin ich froh, dass ich sie in Europa erlebe“

Wir leben im Luxus. Ja, auch die Menschen, die ihre Existenz von geringem Einkommen bestreiten müssen, bemisst man unsere Lebenssituation an der derer, die uns in schon genannten TV-Formaten vor Augen geführt werden. Selbst in Zeiten des absoluten Lockdowns fehlt es uns an nichts. Wir bedienen uns weiter an übervollen Supermarktregalen. Haben ein Dach über dem Kopf. Konsumgüter über den täglichen Bedarf bestellen wir online. Unsere Kühlschränke sind voll. Aus dem Wasserhahn fließt wahlweise Heiß- und Kaltwasser. Die medizinische Versorgung, wenn auch nicht optimal so doch zumindest ausreichend vorhanden, ist gesichert. Wo bitte liegt das Problem?

Vielleicht lässt sich einer möglichen positiven Veränderung der Verhältnisse das Zitat der russischen Schriftstellerin Jewgenia Ginsburg voranstellen: „Dem Mut zum Weglassen gebührt der tiefe Sinn“

Denken wir mal drüber nach. Es ist Weihnachten. Ein schöner Anlass.

Vielleicht aber wird es Zeit, sich mit der Unabänderlichkeit der Verhältnisse auseinanderzusetzen. Vielleicht ist in der Entwicklung der Menschheit eine Wegmarke erreicht, in der eine Umkehr kaum mehr möglich ist. Ein Stadium der Entwicklung, von dem ab alles nur noch nach Zweck und Nutzen bemessen wird. Dass Freundschaft, Liebe, sei es zu einem Menschen, zu allem, was uns umgibt, die vordergründige Frage stellt, welchen Gewinn bringt es mir?

Wenn die Tränen, die ein Mensch weint, als Druckmittel interpretiert werden. Wenn in Gesten der Freundlichkeit, wenn über einem Lächeln das ich aussende, die Frage steht, was erwartet jener dafür?

Wenn das Nichts, dem ich selbst mich zeitweilig gern für Augenblicke ergebe, als unausgefüllte Zeit, die es totzuschlagen gilt, deklassiert wird.

Wenn Werte wie Bildung vordergründig als Wirtschaftsfaktor bemessen werden. Kreativität, Phantasie, differenziertes, freies Denken nicht mehr gefragt sind, weil es nicht systemkonform sei. Wenn selbst Werte wie Kunst und Kultur vordergründig an ihrem Marktwert bemessen werden, brauchen wir uns über die hier gestellten Fragen keine Gedanken mehr zu machen.

Dann stehen wir wirklich vor dem Offenbarungseid der Menschlichkeit.