Ein Foto, dass ich im Internet fand. Es zeigt den Mann, den die Presse einmal den einflussreichsten Intellektuellen Deutschlands nannte. Viel gerühmt. Klugheit und Besonnenheit stehen seiner einzigartig milden Streitbarkeit voran.
Ein Foto, Navid Kermani, Schriftsteller, Philosoph, promovierter Orientalist, das ihn im Alltag zeigt. Unspektakulär. Bekleidet mit einem losen Hemd, einer Jeans und Sneakers, durch die Aachener Straße seiner Heimatstadt Köln laufend. Vielleicht ist ein Café sein Zielort. Vielleicht eine Verabredung mit einem Kollegen, einem Freund. Vielleicht in der Absicht, dort zu arbeiten, inspiriert, durch das Getriebe der Großstadt.
„Der aufmerksamen Beobachtung, bedarf es eines festen Punktes.“
Vielleicht aber nichts von all dem, denn es ist lediglich ein Gedanke, bei der Betrachtung dieses Fotos.
Tatsächlich wohl, liegt diesem Ausdruck die Bitte des Fotografen zugrunde, sich in genau diesem Gestus zu geben, weil sie mediale Aufmerksamkeit erregt.
Ich aber erwehre mich dessen, und darum ist es genau so, wie ich es mir vorstelle, im Augenblick, der Betrachtung des Fotos. Ein leiser Mann, bescheiden, sich optisch durch nichts von der Masse abhebend.
Der einflussreichste Intellektuelle Deutschlands.
(Aus urheberrechtlichen Gründen ist es mir nicht gestattet, dass Foto zu veröffentlichen)