...erwischst du dich selbst dabei, dass dir jedwede Form von Leichtigkeit abhanden kommt. Dass du dich kaum mehr freuen kannst über die Schönheiten, die dich umgeben. Dass alles Leichte nur noch im Schatten dessen steht, was uns an Leid und Schwermut umgibt. Dass du dich Tag für Tag beeinflusst siehst von den Tragödien, die dir, wenn auch weniger in faktischer Vielfalt, so doch in 100facher medialer Aufbereitung, von früh bis spät und nahezu im Minutentakt, dargereicht werden.
Du sagst dir, es geht uns gut. Wir leiden keine wirkliche Not. Versuchst wegzuschauen. Dich abzuwenden. Doch Abwenden von Verhältnissen, ist immer auch ein Zuwenden zu anderen Dingen. Und nicht selten warten sie dort erneut auf dich. Die Bedingungen, die dein Bewusstsein, deine Wahrnehmung wie ein Bleigewicht niederdrücken. Die Ohnmacht, nichts ändern zu können. Und nicht zuletzt der Spott jener, die dich als kauzig verschrobenen Idealisten diffamieren, weil du noch fühlst. Weil deine Form von Lebensqualität sich nicht ausschließlich über Spassfakor und unablässigen Konsum definiert. Anders als die längst abgestumpften, sich von billigem Tand und Schnörkel betäubenden, um sich keiner menschlichen Regung mehr ergeben zu müssen.
Du erkennst es in den versteinerten Mienen derer, die dir im Alltag begegnen. Mienen, die du nicht mal mehr mit einem spontanen Lächeln durchdringst, weil man Kalkül hinter jeder Geste der Freundlichkeit vermutet...
...und manchmal eben auch im Blick in den Spiegel.