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Donnerstag, 24. September 2026

Schöpfung und Hybris. "Der Wert einer Utopie bemisst sich an ihren Opfern" (Alexander Eilers)

Der Radiosprecher berichtete von einer Begebenheit, die ihm jüngst widerfuhr. Ein Musikstück, das er irgendwo hörte, zufällig, im Vorübergehen. Ein Stück, das ihm fremd erschien. Nie gehört. Nicht ungewöhnlich, möchte man sagen. Doch es machte ihn neugierig, sodass er das Stück mittels App, erdacht, um genau dies zu tun, versuchte zu recherchieren. Ein erfolgloser Versuch. Auch diese App kannte das Stück nicht. Künstliche Intelligenz, auf der diese App beruht, ist nicht in der Lage, ein Musikstück, erdacht von eben dieser, ausfindig zu machen,

Wollen wir das? Die KI gibt Antworten. Aber wollen wir wirklich alles wissen? Die Philosophie sagt: “Hüte dich vor jemandem, der auf alle Fragen eine Antwort parat hat!“ Die Technik hat es augenscheinlich. Doch bei allem Positiven, das sie beinhalten mag, ist sie für mich doch auch eine Entzauberung der Welt.

Es geht hier nicht um die Gefahren künstlicher Intelligenz, über die jetzt allenthalben geredet wird. Gefahren für die Sicherheit der Gesellschaft und den Fortbestand der Zivilisation, angesichts einer sich aus sich selbst, in unkontrollierbarer Dynamik, weiterentwickelnden Technologie.

Nein es geht tatsächlich um den grad erwähnten Begriff der Entzauberung. Sie hat nicht nur Antworten parat. Sie nimmt Einfluss auf alle Bereiche menschlichen Seins. Auf die Kunst beispielsweise. Sie ist imstande, Bücher zu schreiben. Lyrik zu verfassen. Musik zu komponieren. Kunstwerke jeder Art zu schaffen nach Maßgabe kommerziellen Denkens. Was ist gewollt? Was verkauft sich auf dem Absatzmarkt.? Alles ist errechenbar. Alles ist manipulierbar.

Eine Kunstwerk, gleich welcher Art, ist Ausdruck von Inspiration. Ausdruck einer Emotion, erschaffen aus dem wertvollsten, das unser Menschsein ausmacht. Trauer, Leid. Liebe. Leidenschaft. Freude. Wollen wir das ersetzt sehen durch etwas, dass diese Technologie ermöglicht? Seelenlos und synthetisch? Es vereinnahmt uns immer mehr. Der Sprecher im Radio? Die Dokumentation im Internet? Von Menschen erdacht und produziert? Immer seltener.

Am Telefon unterhalten wir uns mit Maschinen. Im Supermarkt an der Kasse werden wir von Maschinen bedient. In sozialen Bereichen, um personellen Notstand zu ergänzen, plant man den Einsatz von Pflegerobotern. Im Verwaltungsakt werden wir reduziert auf elektronisch verwertbare Datensätze.

Ja, aber in der Wissenschaft, in der Medizin, hört man, wird es entscheidende Fortschritte geben. Krankheiten, die heute noch als unheilbar gelten, werden in naher Zukunft keine Gefahr mehr darstellen. Der Vision ewigen Lebens auf der Spur. Jemand hat einmal gesagt, dass der Wert vieler Dinge, auch des Lebens, darin besteht, dass es endlich ist. Das nicht alles, zu jeder Zeit und in umgrenztem Maße, zur Verfügung steht. Nicht alles, exakt auf jeden einzelnen zugeschnitten, keine Wünsche mehr offen lässt. Was für eine furchtbare Vorstellung, ewig zu leben in einer Welt ohne Wünsche und Träume, ohne Phantasien und Visionen, die nicht durch die richtige Anordnung elektronischer Impulse erschaffen werden können. Eine Welt, ohne unbeantwortete Fragen. Keine Welt, in der ich leben möchte.

Fazit:

Wenn diese Technologie wirklich erdacht und geschaffen wurden zum Zwecke der Weiterentwicklung der Gesellschaft. Wenn sie unter Berücksichtigung aller Paradigmen, die ihrem Handeln zugrunde liegen, so nachhaltig und unfehlbar ist, wie es heißt. Wäre es es dann nicht natürlich, dass sie sich ab einem bestimmten Zeitpunkt selbst vernichtet?

Samstag, 22. August 2026

Manchmal...

...erwischst du dich selbst dabei, dass dir jedwede Form von Leichtigkeit abhanden kommt. Dass du dich kaum mehr freuen kannst über die Schönheiten, die dich umgeben. Dass alles Leichte nur noch im Schatten dessen steht, was uns an Leid und Schwermut umgibt. Dass du dich Tag für Tag beeinflusst siehst von den Tragödien, die dir, wenn auch weniger in faktischer Vielfalt, so doch in 100facher medialer Aufbereitung, von früh bis spät und nahezu im Minutentakt, dargereicht werden.

Du sagst dir, es geht uns gut. Wir leiden keine wirkliche Not. Versuchst wegzuschauen. Dich abzuwenden. Doch Abwenden von Verhältnissen, ist immer auch ein Zuwenden zu anderen Dingen. Und nicht selten warten sie dort erneut auf dich. Die Bedingungen, die dein Bewusstsein, deine Wahrnehmung wie ein Bleigewicht niederdrücken. Die Ohnmacht, nichts ändern zu können. Und nicht zuletzt der Spott jener, die dich als kauzig verschrobenen Idealisten diffamieren, weil du noch fühlst. Weil deine Form von Lebensqualität sich nicht ausschließlich über Spassfakor und unablässigen Konsum definiert. Anders als die längst abgestumpften, sich von billigem Tand und Schnörkel betäubenden, um sich keiner menschlichen Regung mehr ergeben zu müssen.

Du erkennst es in den versteinerten Mienen derer, die dir im Alltag begegnen. Mienen, die du nicht mal mehr mit einem spontanen Lächeln durchdringst, weil man Kalkül hinter jeder Geste der Freundlichkeit vermutet...

...und manchmal eben auch im Blick in den Spiegel.


Ein Gleichnis: Gedanken über die Mär von gerechter und ungerechter Kriegsführung:

Sie gedenken in einem Festakt ihrer gefallenen Soldaten des Krieges, der seit Jahren kein Ende findet. Werfen dem vermeintlichen Aggressor die wahllose Tötung von Zivilisten vor. Die willkürliche Zerstörung öffentlicher, auch sozialer Einrichtungen.

Im Zug der Verteidigung töten sie, die Gedemütigten, Zivilisten, Frauen und Kinder. Zerstören willkürlich öffentliche und soziale Einrichtungen. Lebenswichtige Infrastruktur.

Die ehemalige Bundesaußenministerin stellte es, im Zusammenhang des Kampfes gegen die Hamas in Palästina, mal dergestalt dar: „Wenn im Falle eines Angriffs auf Kräfte der Hamas, sich diese beispielsweise hinter einem Krankenhaus, einer Schule, einem Kindergarten verschanzen, tragen die Schuld an möglichen Opfern, also unter den darin befindlichen Kranken, Frauen und Kindern, nicht die einen gerechten Krieg Führenden, sondern jene, die die genannten Einrichtungen als menschliche Schutzschilde missbrauchen.“

Man hat irgendwann einen Begriff dafür geschaffen. Kollateralschaden, oder billigende Inkaufnahme.

„Es gibt keinen gerechten Krieg. Es gibt nur verschiedene Arten des Mordens." (Kurt Tucholsky)