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Samstag, 22. August 2026

Manchmal...

...erwischt du dich selbst dabei, dass dir jedwede Form von Leichtigkeit abhanden kommt. Das du dich kaum mehr freuen kannst über die Schönheiten, die dich umgeben. Das alles Leichte nur noch im Schatten dessen steht, was uns an Leid und Schwermut umgibt. Das du dich, Tag für Tag, beeinflusst siehst von den Tragödien, die dir, wenn auch weniger in faktischer Vielfalt, so doch in 100facher medialer Aufbereitung, von früh bist spät und nahezu im Minutentakt, dargereicht werden.

Du sagst dir, es geht uns gut. Wir leiden keine wirkliche Not. Versuchst wegzuschauen. Dich abzuwenden. Doch Abwenden von Verhältnissen, ist immer auch ein Zuwenden zu anderen Dingen. Und nicht selten warten sie dort erneut auf dich. Die Bedingungen, die dein Bewusstsein, deine Wahrnehmung wie ein Bleigewicht niederdrücken. Die Ohnmacht, nichts ändern zu können. Und nicht zuletzt der Spott jener, die dich als kauzig verschrobenen Idealisten diffamieren, weil du noch fühlst. Weil deine Form von Lebensqualität sich  nicht ausschließlich über Spassfakor und unablässigen Konsum definiert. Anders als die längst abgestumpften, sich von billigem Tand und Schnörkel betäubenden, um sich keiner menschlichen Regung mehr ergeben zu müssen.

Du erkennst es in den versteinerten Mienen derer, die dir im Alltag begegnen. Mienen, die du nicht mal mehr mit einem spontanen Lächeln durchdringst, weil man Kalkül hinter jeder Geste der Freundlichkeit vermutet...

...und manchmal eben auch, im Blick in den Spiegel


Ein Gleichnis: Gedanken über die Mär von gerechter und ungerechter Kriegsführung:

Sie gedenken in einem Festakt ihrer gefallenen Soldaten des Krieges, der seit Jahren kein Ende findet. Werfen dem vermeidlichen Aggressor die wahllos Tötung von Zivilisten vor. Die willkürliche Zerstörung öffentlicher, auch sozialer Einrichtungen.

Im Zug der Verteidigung, töten sie, die Gedemütigten, Zivilisten, Frauen und Kinder. Zerstören willkürlich öffentliche und soziale Einrichtungen. Lebenswichtige Infrastruktur.

Die ehemalige Bundesaußenministerin, stellte es, im Zusammenhang des Kampfes gegen die Hamas in Palästina, mal dergestalt dar: „Wenn im Falle eines Angriffs auf Kräfte der Hamas, sich diese beispielsweise hinter einem Krankenhaus, einer Schule, einem Kindergarten verschanzen, trägt die Schuld an möglichen Opfern, also unter den darin befindlichen Kranken, Frauen und Kindern, nicht die einen gerechten Krieg führenden, sondern jene, die die genannten Einrichtungen als menschliche Schutzschilde missbrauchen.“

Man hat irgendwann einen Begriff dafür geschaffen. Kollateralschaden, oder, billigende Inkaufnahme.

„Es gibt keinen gerechten Krieg. Es gibt nur verschiedene Arten des Mordens." (Kurt Tucholsky)


Samstag, 15. August 2026

Eine kleine Hommage

Ein Foto, dass ich im Internet fand. Es zeigt den Mann, den die Presse einmal den einflussreichsten Intellektuellen Deutschlands nannte. Viel gerühmt. Klugheit und Besonnenheit stehen seiner einzigartig milden Streitbarkeit voran.

Ein Foto, Navid Kermani, Schriftsteller, Philosoph, promovierter Orientalist, das ihn im Alltag zeigt. Unspektakulär. Bekleidet mit einem losen Hemd, einer Jeans und Sneakers, durch die Aachener Straße seiner Heimatstadt Köln laufend. Vielleicht ist ein Café sein Zielort. Vielleicht eine Verabredung mit einem Kollegen, einem Freund. Vielleicht in der Absicht, dort zu arbeiten, inspiriert, durch das Getriebe der Großstadt.

Der aufmerksamen Beobachtung, bedarf es eines festen Punktes.“ 

Vielleicht aber nichts von all dem, denn es ist lediglich ein Gedanke, bei der Betrachtung dieses Fotos.  

Tatsächlich wohl, liegt diesem Ausdruck die Bitte des Fotografen zugrunde, sich in genau diesem Gestus zu geben, weil sie mediale Aufmerksamkeit erregt.

Ich aber erwehre mich dessen, und darum ist es genau so, wie ich es mir vorstelle, im Augenblick, der Betrachtung des Fotos. Ein leiser Mann, bescheiden, sich optisch durch nichts von der Masse abhebend. 

Der einflussreichste Intellektuelle Deutschlands.


(Aus urheberrechtlichen Gründen ist es mir nicht gestattet, dass Foto zu veröffentlichen)