Dienstag, 16. Februar 2021

"Wir müssen lernen, entweder als Brüder miteinander zu leben oder als Narren unterzugehen." (Martin Luther King)

Es ist der 19. Februar 2020. Der Tag, der durch ein Verbrechen ungeheurer Dimension eine mittelhessische Stadt untrennbar mit diesem Ereignis in Verbindung belassen wird. Neun junge Menschen verlieren ihr Leben durch die Tat eines rechtsnational orientierten Mannes, eine weitere, weitgehend unbeteiligte Person, die Mutter des Täters und schließlich er selbst, bilden das Ende der Kette dieser Blutnacht.

Die Folgen für die Hinterbliebenen der Opfer, die Verletzten und Zeugen: lähmendes Entsetzen und Leid, das kaum in Worte zu fassen ist. Fragen, die keine Antwort finden.

Seit am 6. Dezember 1990 der Angolaner Amadeu Antonio Kiowa im brandenburgischen Eberswalde ermordet wurde, in Folge dessen sich die Amadeu Antonio Stiftung gründete, deren selbst gestecktes Ziel es ist, Rechtspopulismus und rechte Gewalt zu bekämpfen, verzeichnet diese bis zum heutigen Tag 213 rechts motivierte Todesfälle. Allein im Jahr 2020 registrierten die Strafverfolgungsbehörden des Bundes und der Länder 15.000 Gewaltdelikte von rechts. Im Jahr davor waren es mehr als 21.000 Vergehen, und, ich will diese nicht außer Acht lassen, allein um den Rechten den Wind aus den Segeln zu nehmen, auch rund 6.500 Taten linker und linksautonomer Gewalt. Soweit die nüchternen Zahlen einer Bilanz, die alles andere als ein Ruhmesblatt für dieses Land darstellt. Tätliche Gewalt, unabhängig gegen wen sie sich richtet, unabhängig, was ihre Motive, seien sie nun gesetzlich legitimierter Grundlage, seien sie ideeller oder ideologisch verblendeter Natur, kann und darf nie ein probates Mittel zur Durchsetzung der jeweiligen Ziele sein.

Die Hinterbliebenen der Opfer quälen Fragen, auf die es keine Antworten gibt. In ihrer Verzweiflung suchen sie nach Schuld auf Seiten der staatlichen Gewalt, was angesichts der Umstände, es wurden Fehler gemacht, Nachlässigkeiten begangen, nachvollziehbar ist. Man denke nicht zuletzt an vergleichbare Verbrechen, im Besonderen zu nennen die Taten des NSU-Trios, das über einen Zeitraum von 10 Jahren ungehindert mordete und raubte, obwohl es viele Jahre unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stand. Man denke weiter an den Sachverhalt, dass Rechtsnationalismus durch den Einzug entsprechender Parteien und Gruppierungen in die Parlamente von Bund und Ländern längst wieder zur Salon-Kultur avancierte, weil diese unter dem Deckmäntelchen demokratischen Grundverständnisses geduldet werden müssen.

Mehrere Verfahren zum Verbot rechter Parteien scheiterten im Laufe der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik, zuletzt das Verfahren gegen die NPD, weil, soweit ein Teil der Begründung „ … es keinerlei Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Durchsetzung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele …“ gab. Eindeutige Agitation pro Gewalt, wenn auch rhetorisch geschickt artikuliert, scheint hierunter nicht zu fallen. Volksverhetzung unter Anwendung von Begriffen finsterster NS-Terminologie ebenso wenig. Die Folgen schlagen sich in benannten Zahlen nieder. Lediglich zweimal in der Geschichte der BRD konnte ein Parteiverbotsverfahren durchgesetzt werden. Und zwar 1952 gegen die SRP, die als Nachfolgepartei der NSDAP galt, und einige Jahre darauf gegen die KPD, der man, man möchte es kaum für möglich halten, Volksverhetzung vorwarf, da ihre Ziele der „Förderung der Unterdrückung des Individuums“ als unvereinbar mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung galten.

Vor dem Umstand aber, dass eben diese Zahnlosigkeit, dieser selbst angelegte Maulkorb staatlicher Organe, zur Stärkung rechtsnationalen Geistes und dem, was die Folge ist, führt, senkt man den Blick und verharrt in Untätigkeit. Die Konsequenz daraus erlebten wir in der Vergangenheit, in der Gegenwart und werden sie, sofern sich nichts ändert, wohl auch in der Zukunft erleben.

Aber vielleicht ist die Schuld nicht allein in dem Beschriebenen zu suchen. Vielleicht ist es auch die zunehmende Anonymisierung der Gesellschaft. Das Wegschauen. Eine Familie lebt in der Mitte der Gesellschaft im bürgerlichen Idyll einer Reihenhaussiedlung am Rande der Stadt. Eine Familie, hinreichend bekannt für ihre Gesinnung. Es gibt Waffen im Haus. Der Sohn des Hauses, verhaltensauffällig seit Jahren. In einschlägigen Kreisen sozialer Netzwerke präsent. Hätte man reagieren müssen? Die Aufmerksamkeit der Behörden auf diesen Umstand lenken müssen? Ich glaube, wir alle sollten uns die Frage stellen, welchen Anteil an Schuld wir selbst tragen an derartigen Entwicklungen. „Was geht es mich an?“ ist sicher keine angemessene Reaktion.

In den Tagen und Wochen nach der Tat hat sich eine ungeheure Welle der Anteilnahme und der Solidarität gebildet, die weit über die Stadt- bzw. Landesgrenzen hinaus spürbar war. Solidarität aber sollte nicht erst einsetzen, wenn Katastrophen wie diese geschehen sind. Solidarität mit Ausgegrenzten, mit Schutzbedürftigen und Minderheiten kann solchen Entwicklungen auch entgegenwirken. Das sollten wir uns zum Ziel setzen. Jeder von uns. 

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Montag, 8. Februar 2021

Was machen wir heute? Gedenken!


So die etwas überspitzt formulierte Äußerung eines Kabarettisten und Satirikers vor einigen Jahren zum Thema Gedenkkultur. Tatsächlich vergeht kaum ein Tag, ohne dass nicht an irgendeine Begebenheit, oder eine mehr oder weniger namhafte Persönlichkeit im Zusammenhang mit Jahrestagen von Ereignissen gedacht wird.

Mag sein, dass angesichts der Vielzahl dieser Daten einzelne im Laufe der Zeit ein wenig verwässern. Mag aber auch sein, dass wir uns scheuen vor dem Umstand, uns auf diese Weise mehr oder weniger gezwungenermaßen etwas vor Augen führen zu lassen, an dem wir doch, wie heißt es immer wieder, keinen Anteil haben, keine Schuld tragen, wenn es um Begebenheiten und Fakten geht, die uns unsere eigenen Defizite, unsere eigene Kurzsichtigkeit, unsere eigene Dummheit vor Augen führen. In diesem Falle reichen die Argumente von „Man muss auch vergessen können“ bis hin zu den strafbaren Varianten der Leugner, der Revisionisten und Geschichtsfälscher.

Vor einer Woche nun gedachte Deutschland, gedachte Europa, gedachte die Welt einem Ereignis, das in der Historie nach Ende des nationalsozialistischen Terrors als Zivilisationsbruch Bezeichnung fand. Die Rede ist vom Gedenken an die Befreiung des Lagers Auschwitz am 27. Januar 1945, der von den Vereinten Nationen im Jahr 2005 als Internationaler Gedenktag gegen das Vergessen eingerichtet wurde.

Ich bin dagegen, dass man die Geschichte Deutschlands auf die 12 Jahre Terrorherrschaft des NS-Staats reduziert, wie es oft aus den Lagern rechtsnationaler Kräfte und Bewegungen heißt. Dieses Land, seine Kultur, seine Traditionen, seine Errungenschaften in vielen Bereichen der Wissenschaft, der Kunst stehen für Werte, die ihre Zeit überdauerten und die Identität der Nation in positiver Hinsicht prägten.

Untrennbar aber auch das Kainsmal in der Geschichte Deutschlands, zwei verheerende Weltkriege, Völkermord, nicht nur im dritten Reich, unvorstellbare Kriegsverbrechen wie Verbrechen an der Zivilbevölkerung, zu nennen vordergründig die systemische Vernichtung lebensunwerten Lebens nach Maßgabe einer geistzerfressenen Ideologie, und nicht zuletzt der Antisemitismus, den ich bewusst nicht ausschließlich als Folge oder im Zusammenhang mit dem NS-Staat benenne, denn er reicht Jahrhunderte in der Deutschen Geschichte zurück, wenn auch nicht in der Dimension industrialisierter Vernichtungsstrategie, wie sie einzigartig in der Geschichte blieb.

Spätestens seit Beginn der Frankfurter Auschwitzprozesse, die ein beherzter Oberstaatsanwalt – Fritz Bauer – in den 1960er Jahren gegen jeden Widerstand, sowohl aus der Bevölkerung als auch aus der Politik, durchgesetzt hat, deren höchste Positionen nicht selten von Honoratioren besetzt waren, die Blut an ihren Händen hatten, Zitat Conrad Adenauer: „Solang man kein sauberes Wasser hat, soll man das schmutzige nicht wegschütten“, ist das deutsche Volk gezwungen, sich mit diesem Teil der Geschichte auseinanderzusetzen.

Wenn es vorher gelang, totzuschweigen, was geschah, war es spätestens mit dem Wirtschaftswunder, also mit dem Eintreten eines gewissen sozialen Wohlstandes mehr als überfällig, hinzuschauen, zuzuhören, sich zu bekennen. Jeder einzelne sollte sich die Frage stellen, welchen Anteil er an diesen Taten hatte, wenn auch die meisten, und dieser Satz kursierte bis zum Aussterben der Täter-, respektive Verursachergeneration, nicht gewusst hatten. Der Satz, der mit der heutige Generation in die Worte „wir tragen keine Schuld daran, was geht es uns an“ übergegangen ist.

Wenn wir aber stolz sein wollen auf positive Meriten in den zuvor genannten Bereichen, ohne hierauf maßgeblichen Einfluss genommen zu haben, sind wir dann nicht auch verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen für weniger rühmliche Ereignisse, die ebenso untrennbar mit diesem Land in Verbindung stehen? Niemand soll und will diesem Land seine Identität, seinen Menschen ihr Nationalbewusstsein absprechen. Aber nur im Sinne des großen Ganzen. Nicht partiell, nicht selektiv.

Wie also umgehen mit diesem Erbe, dessen die Welt an jenem Tag gedachte? Während die einen eine kategorische Umkehr im Gedenkkult, sie nennen es zumeist „Schuldkult“, fordern, die, die sich nicht scheuen, in Gegenwart der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, selbst Überlebende des Lagers Theresienstadt, die anlässlich des Holocaust Gedenktages vor dem Deutschen Bundestag sprach, mit gelangweilter Miene und gähnende Mündern zwangszuhörten, schienen die anderen, die, die sich der uns übertragenen Verantwortung bewusst waren, in Schreckstarre und Untätigkeit zu verharren.

Der Antisemitismus hat längst wieder Fuß gefasst in Deutschland. Das Nationalbewusstsein, das über das Maß des Ideals eines patriotischen Denkens hinaus in ein ideologisch motiviertes, nationalistisches Gedankengut überging.

Wodurch aber gewinnen diese Kräfte wieder Zulauf? Durch einen Bewusstseinswandel? Durch das Versanden der Erinnerung aufgrund des steten Generationenwechsels? Durch ein Wertebewusstsein, das sich vordergründig orientiert an Konsum, an Wachstum und Besitz und den Möglichkeiten, die dies in Aussicht stellt?

Ich beobachte es seit vielen Jahren. Habe Orte besucht, an denen stattfand, was keiner wahrhaben will. Bin Menschen begegnet, die Schuld auf sich luden. Menschen, Überlebenden, die noch im hohen Alter nicht müde wurden zu gemahnen, dass so etwas nie wieder geschehen, dass in einer weitgehend aufgeklärten Gesellschaft so etwas nie wieder Raum greifen darf.

Und dennoch: Lager-Gedenkstätten wie Auschwitz, Buchenwald, Dachau und andere, haben mehr den Charakter eines Erlebnisparks, nach dessen Besichtigung man es sich beim Mittagsessen in der Cafeteria gleich neben dem Krematorium, gemütlich macht.Souvenirs und Postkarten gibt es im dazugehörigen Shop. Für die Daheimgeblieben gern noch das Auschwitz-Selfie, das den Betreffenden mit aufgesetzter Betroffenheitsmine vor dem Lagertor, den Verladerampen oder den Verbrennungsöfen zeigt.

Während der Vorbereitung eines Besuchs des Lagers Auschwitz–Birkenau wurde ich auf den Bericht eines Touristenpaars aufmerksam, das seine Polenreise ausführlich und detailgenau beschrieb: „Für das Lager sollte man drei bis vier Stunden einplanen, dann wäre noch genügend Zeit, weitere Highlights zu besuchen“, so ihr Reisetipp.

Ich könnte die Liste derartiger Erlebnisse fortsetzen, z.B. damit, dass eine sichtlich in Traurigkeit versunkene Person, die das Dokumentationszentrum des Lagers Buchenwald unter Tränen verließ, als Fotoobjekt einer Touristengruppe diente, aber ich beschränke mich auf diese wenigen Beispiele, die bezeichnend sind für den erwähnten Bewusstseinswandel, für die sich einstellende Ignoranz, für das Wegschauen, die Unfähigkeit oder den Unwillen, sich dem zu stellen, auch wenn es wehtut. Wir fühlen uns nicht mehr gemeint. Dokumentationen in Rundfunk und Fernsehen sind mehr unterhaltenden als mahnenden Charakters, was umso unverständlicher ist, das sie gerade mal drei Generationen zurückliegen. Umso unverständlicher, da noch lebende Zeitzeugen unter uns weilen, die berichten, wie es ein Überlebender dieser Hölle mit den Worten tat:

“Hätte es nur wenig länger gedauert, hätte man eine neue Sprache erfinden müssen, die das Grauen beschreibt.“

Und gerade in diesem Umstand liegt für mich die Gefahr, dass sich bewahrheitet, was Brecht in seinem Stück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ thematisierte. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch.“

Solange diese Gefahr besteht, ist es von existentieller Bedeutung, dass
wir an Jahrestagen wie dem 27. Januar und allen anderen daran erinnert werden, dass nur in Werten wie Menschlichkeit, wie Toleranz, Verständnis und Verständigung

der Weg in eine befriedete Welt- und Wertegemeinschaft bestehen kann, in der Hass und Gewalt, Ausgrenzung und Intoleranz, Neid und Missgunst keine Bedeutung mehr haben.

Dienstag, 29. Dezember 2020

"Bescheidenheit ist der Anfang aller Vernunft:"

Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle über das zurückliegende Weihnachtfest reflektiert. Meine Beobachtungen, meine Gedanken artikuliert. Zu beschreiben versucht, was ich empfand angesichts dessen, was die meisten Menschen unter Weihnachten verstanden. Angesichts überfüllter Shopping-Malls. Angesichts bis an die Zähne bewaffneter Polizisten, die in martialischer Körperspannung über die Weihnachtsmärkte patrouillierten. Angesichts von Müll und Sperrmüllbergen, die sich noch Tage vor dem Fest vor den Häusern türmten, da man ja Platz schaffen musste für neuen Unrat, den der Mensch bei genauerer Betrachtung nicht braucht.

Weihachten 2019 war noch nicht zu erahnen, was uns nur wenige Wochen später ins Haus stünde. Einschränkungen und Verzicht. Kategorisches, wenn auch erzwungenes, Umdenken und über all dem der erhobene Zeigefinger, nicht nur von Seite derer, die all das, was kommen sollte, als Farce bezeichneten, sondern auch und besonders von namentlich bekannten Intellektuellen, man möge sich die Maßnahmen zum Schutze der Allgemeinheit nicht diktieren lassen. Sich auf seine demokratischen Freiheitsrechte berufen. Sich nicht im Kadavergehorsam den Verfügungen unterwerfen.

Das Jahr nahm seinen Lauf.  Die Infektionszahlen stiegen, sanken um die Jahresmitte und stiegen erneut in astronomische Höhen.

Und erneut stand das Weihnachtsfest ins Haus. Ein Weihnachtfest ohne Weihnachtsmärkte. Ohne aufgepeitschten Massenkonsum, denn das Weihnachtsgeschäft fand eine Woche vor dem Fest ein jähes Ende durch umfassende Schließungen des Handels. Ein Weihnachtsfest der Einschränkungen, der Bescheidenheit, könnte man sagen.  Vereinzelte Stimmen sprachen vom entbehrungsreichsten Fest seit Kriegsende. Kritiker beklagten den Umstand, die Oma zum Fest nicht zu sich holen zu können. Die Oma, die man auch zu normalen Zeiten bestenfalls alle zwei Monate besuchte.

Es stand außer Frage: Das Fest war in vielerlei Hinsicht durch Restriktion und Verzicht gekennzeichnet. Aber kommt es nicht auf den Maßstab an, an dem wir es bemessen?  Selbst unter den gegenwärtig noch und weiterhin bestehenden Beschränkungen, bedienten wir uns aus einem nahezu unüberschaubaren Warenangebot, nicht nur im Bereich der Dinge des täglichen Bedarfs. Wenn es denn ein überfüllter Gabentisch sein musste, stand das Internet bereit. Auch ein Großteil des Einzelhandels bot sein Warensortiment über die virtuellen Medien incl. Lieferung vor die Haustür an. Konversation untereinander, wenn auch nicht in Form physischer Nähe, findet am Telefon statt.  Wir sind satt geworden. Wie haben uns reich beschenkt. Wie sind gesund, wenn wir es denn sind. Sind wir es nicht, steht uns selbst in dieser Zeit eines der besten medizinischen Versorgungssysteme der Welt zur Verfügung. Wir aber jammern, weil wir nicht in den Winterurlaub fahren bzw. fliegen können. Weil wir uns nicht zu Tausenden in der Öffentlichkeit treffen können, um das Weihachtfest bzw. Silvester im gewohnt großem Rahmen zu zelebrieren. Weil wir nicht tun und lassen können, wonach uns der Sinn steht, drauf gepfiffen, ob es dem Nächsten, ob es der Gesellschaft, ob es dem Erhalt von Werten im Sinne von Schutz und Nachhaltigkeit gerecht wird. Wie haben es uns schließlich verdient. Wir lassen es uns nicht nehmen, hört man hie und da.

Aber ist es tatsächlich so?  Stellen wir uns die Frage. Habe wir es uns verdient? Oder haben wir vielmehr das verdient, was wir gegenwärtig und noch eine ganze Weile ins kommende Jahr hinein erleben werden?

Bei all dem hier beschriebenen kommt man an der Erkenntnis kaum vorüber, dass eines der Haupt-Attribute menschlichen Seins die Schwäche ist, was sich auch in abschließendem Beispiel manifestiert:

Wir argumentieren so gern mit dem Begriff ‚Moral‘. Sind schnell dabei, wenn es darum geht den Stab der Entrüstung über Dritten zu brechen.  In einem Artikel, zu lesen auf der Internetseite des Deutschlandfunks, ging es um den Verstoß gegen moralische Grundsätze, in Gestalt dessen, dass sich ein führender Vertreter der Kirche schuldig machte. „Der Tiefpunkt der Moral sei erreicht:“ betitelte der Sender den Artikel. Dieser Tiefpunkt. soweit meine Meinung hierzu, ist längst in ganz anderer Hinsicht erreicht. Aber zugegeben, es tut recht gut, das Maß wie den Anspruch an Moral, dem wir selbst nicht genügen, auf andere zu übertragen.