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Sonntag, 21. Juni 2026

Komplize seines Aufbruchs...

Irgendwann kam er auf die Idee, einen Koffer zu erwerben. Nicht einen derer, die man heute hinter sich herzieht.  Einen aus Kunststoff, in modischen Farben und Design.  Nein, es sollte einer der Art sein, wie man sie zu früheren Zeiten hatte.  Ein Lederkoffer. Nicht, dass er ihn zum Zeitpunkt des Kaufes dringlich gebraucht hätte.  Es war eher symbolischer Natur. Und doch sollte er für den Tag bereitstehen, in gepacktem Zustand, mit den nötigsten Dingen, die es braucht, um zu gehen, ohne zum Zeitpunkt des Aufbruchs zu wissen, wohin.  

So war sein Plan.  Er versah ihn mit einigen Büchern. Mit Schreibutensilien und einigen dieser Kladden, die ihm seit Jahren als Tagebuch dienten, das er in gewissenhafter Gewohnheit führte. Mit einigen Kleidungsstücken und Toilettenartikeln.  Festen Schuhen und zwei Flaschen Wein, mit denen er die Ankunft an eben diesem unbekannten Ort zu feiern gedachte. Er deponierte ihn in diesem Zustand in seinem Zimmer.  In greifbarer Nähe.  In Sichtweite, so dass er immer vor Augen hatte, was noch keinen Zeitpunkt kannte. Er wusste, dieser Tag würde kommen. Er würde sich ankündigen und wenn es dann soweit war, wäre er bereit...

Mittwoch, 10. Juni 2026

Menschen 61

Er betrat den Laden, wenige Minuten vor Geschäftsschluss. Ein Mann mittleren Alters. Einfach gekleidet. Herkunft, unbekannt. Ein Zuwanderer, wie es die mildeste Variante möglicher Formulierung besagt.  Ein Flüchtling, sonst woher. Einer, der alles bekommt, ohne etwas dafür tun zu müssen, in den Blicken der übrigen, noch im Laden befindlichen Kunden, zu lesen.  Was er im Schilde führte, war so offensichtlich wie aussichtslos. Den Brotautomaten im Blick, in der Tasche seiner verschlissenen Jacke schon deponiert, ein wenig Wurst und Käse. Das Brot verschwand im Futter seiner Jacke.   Ist ein Dieb, der stiehlt um seinen Hunger zu stillen?  Der stiehlt, was Minuten nach Ladenschluss im Container, im Hof des Ladens, verschwindet um entsorgt zu werden?  Es bedarf nicht viel Vorstellungskraft vorherzusehen, was ihn an der Kasse, was ihn auf dem unendlich scheinenden Weg aus dem Laden, erwartete.  Sich an den letzten Kunden vorbeidrängend, die Ausgangstür im Blick, begann die Tragödie. Die hysterisch, kreischende  Stimme der  Kassiererin. Empörte Rufe der  übrigen Kunden. Ein Held, der sich ihm mit Drohgebärden, siegesgewiss in den Weg stellte. Einer schließlich,  der ihm die Tür aufhielt. Nach dem er sich, für den Bruchteil einer Sekunde, umschaute. Angst in den Augen vor dem wütenden Mob...