Mit einem Lächeln und einen
dahingeflöteten „Viel Freude“ entließ mich die Kassiererin an
der Kinokasse, bei der ich ein Billett für den Film erwarb. Mit
einem lachenden „Viel Spaß bei der Vorstellung“ trennte sich
meine Gesprächspartnerin im Foyer des Theaters, mit der ich vor
Beginn der Vorstellung kurz ins Gespräch kam. Im Kino war es ein Film über das Grauen des Nationalsozialismus, der angekündigt wurde
mit besonders authentischen Bildern. Im Theater ein Stück über
einen Mann, der aus unmenschlichen Haftbedingungen einen Brief
verfasste an Jenen, der ihn in seiner Liebe zu ihm verriet. Viel Spaß
beim Film. Viel Freude beim Stück.
Was liegt diesen Äußerungen
zugrunde? Gleichgültigkeit? Oder der Anspruch hedonistischer
Unterhaltungsmaßstäbe, deren unablässiges Streben nach Lustgewinn
gar nichts anderes zulässt?
"Ohne das Gefühl der Zugehörigkeit zu den Bedrohten wäre ich ein sich selbst aufgebender Flüchtling vor der Wirklichkeit." Jean Améry.